Veganes Leder

Was ist Veganes Leder?

Als veganes Leder bezeichnet man Ersatzstoffe für Tierhäute aus denen unterschiedlichste Produkte wie Kleidung, Schuhe und Accessoires hergestellt werden. Veganes Leder wird meistens aus pflanzlichen Abfallstoffen hergestellt, und ähnelt in seiner Beschaffenheit sehr dem Original. Durch die Vegane Revolution findet Veganes Leder immer weitere Verbreitung. 

veganes Leder

veganes Leder oder Kunstleder?

Für die Bezeichnung “Veganes Leder” gibt es keine feste Definition, somit kann man auch Kunststoffe als veganes Leder bezeichnen. Allerdings verbinden die meisten Menschen mit diesem Begriff ein ökologisches und tierleidfreies Produkt. Kunstleder das etwa aus Polyurethan oder Polyvinylchlorid hergestellt wird ist allerdings nicht biologisch abbaubar, und stellt somit eine ökologische Belastung dar. Wenn in diesem Artikel von “Veganem Leder” gesprochen wird, sind somit nur Produkte gemeint die nachhaltig und ökologisch aus Pflanzen hergestellt worden sind.

Welche Arten von veganem Leder gibt es?


Piñatex, Leder aus der Ananas 

Piñatex ist ein Material das aus den Fasern der Ananaspflanze hergestellt wird. Dabei werden die langen Fasern der Ananas zu einer Art Vliessubstrat verwoben und anschließend mit Polymilchsäure und Harz behandelt. Für 1 m^2 von dem Gewebe werden etwa 480 Blätter (der Abfall von 16 Ananaspflanzen) benötig. Erfunden wurde Piñatex  von Dr. Carmen Hijosa die nach einer Alternative zu Leder schlechter Qualität in ihrer Heimat gesucht hat.

Die Herstellung von veganem Leder aus der Ananas kommt dabei gänzlich ohne die Anwendung von giftigen Chemikalien und Schwermetallverbindungen aus. Piñatex hat nicht nur einen einwandfreien ökologischen Fingerabdruck, sondern hat daneben noch den Vorteil, dass es den Bauern welche die Ananas anpflanzen ein zusätzliches Einkommen aus dem Verkauf der Pflanzenfasern ermöglicht. Weltweit fallen jährlich etwa 40.000 Tonnen Abfall aus dem Ananasanbau an, welche nun von den Bauern gewinnbringend verkauft werden können. Mehr dazu im Artikel über Ananasleder.

 

Noani, Leder aus Eukalyptus 

Aus ethischen Gründen hat sich der CEO des Startups NaoniFabian Stadler zur Produktion von ökologischer und nachhaltiger Mode entschieden. Das Unternehmen setzt dabei auf die Herstellung von veganem Leder aus Eukalyptusfasern. Eukalyptus ist ein ökologischer und vor allem schnell nachwachsender Rohstoff.

Bei der Herstellung achtet das Startup auf einen einwandfreien ökologischen Fingerabdruck. So sind nicht nur die Materialien sorgfältig ausgewählt, sondern das Unternehmen achtet auch auf die Produktionsbedingungen seiner Mode. Entgegen dem weitläufigen Trend billige Mode in Niedriglohnländern produzieren zu lassen, setzt das Unternehmen auf qualitativ hochwertige Kleidung die in Italien produziert wird.

Zu erwähnen ist allerdings, dass das vegane Leder von Noani zu etwa 50% aus Polyurethan besteht und somit ökologisch nicht ganz einwandfrei ist. 

 

Leder aus Cellulose und Pilzen 

Auf ein besonderes Produkt hat sich das amerikanische Startup MycoWorks spezialisiert. Das Unternehmen stellt eine Lederalternative aus Holzspänen und Pilzfasern her. Bei der Herstellung werden zunächst Holzspäne in Wasserdampf gegart und sterilisiert, um im Anschluss mit Pilzsporen versetzt zu werden. Die Holzspäne dienen dem Pilz dabei al Wachstumsmedium. Das Myzel der Pilzsporen durchzieht mit der Zeit das gesamte Material und wird zum Schluss der Produktion durch einen erneuten Einlass von Wasserdampf abgetötet.

Das entstandene Material ist atmungsaktiv, wasserabweisend und sehr flexibel, wie richtiges Leder eben. Der große Vorteil bei der Herstellung von veganem Leder aus Pilzfasern sind die äußerst geringen Produktionskosten, und dass das Material zu 100 % biologisch abbaubar ist. 

 

Veganes Leder aus Apfel Resten 

Aus den Resten die bei der Apfelproduktion anfallen wird das Material “Appleskin” hergestellt. Dabei werden die Reste der Äpfel zuerst getrocknet und im Anschluss zu einem feinen Pulver zerrieben. Dieses entstandene Apfelpulver wird im Verhältnis 1:1 mit Polyurethan gemischt und im Anschluss auf reißfesten Baumwollstoff aufgetragen.

Appleskin besteht somit lediglich zu 50 % aus Apfelresten und 50 % aus Polyurethan. Um Appleskin flexibel zu machen, wird das Material noch einmal gewaschen. Für die geforderte Wetterbeständigkeit des Materials ist ein weiterer Produktionsschritt nötig bei dem Appleskin auf 130 Grad erhitzt wird. Mehr dazu in meinem Artikel über Apfelleder.


Korkleder

Kork wird bereits seit Menschengedenken dazu verwendet um Kleidung, vor allem Schuhe zu produzieren. Das Material ist wasserabweisend und speichert Wärme. Das sind auch die beiden Hauptgründe warum man Kork im Mittelalter verwendet hat um sein Schuhwerk abzudichten. 

Die wertvolle Baumrinde feiert derzeit in der Modeindustrie ein neues Revival. Designer schätzen die Eigenschaften des Materials. Kork ist:

  • robust
  • ökologisch
  • atmungsaktiv
  • wasserabweisend
  • leicht in der Handhabung
  • kostengünstig
  • feuerfest
  • abwaschbar

Besonders schätzt die Modeindustrie die natürliche Maserung des Korks. Für die Gewinnung von Kork werden Korkeichen etwa alle 3 Jahre von Hand geschält. Nach dieser Prozedur benötigt der baum wieder 3 Jahre um eine verwertbare Korkschicht aufzubauen. Man muss festhalten, dass für die Korkgewinnung keine Bäume gefällt oder beschädigt werden. Der Baum bildet den Kork als natürlichen Schutz vor Bränden und Wasserverlust aus. Der Großteil des in Europa produzierten Korks stammt aus Portugal.


SnapPap

SnapPap ist ein Material welches aus Latex und Cellulose hergestellt wird. Es verbindet in sich die Vorteile beider Ausgangsprodukte. SnapPap ist durch den hohen Anteil an Latex äußerst reisfest und wasserabweisend.

Die Oberfläche von SnapPap ist äußerst glatt und sehr gut zu bearbeiten. So kann man Produkte aus diesem Material in allen erdenklichen Farben kaufen. Durch Prägung kann dem besonderen Material aber auch eine perfekte Lederoptik verpasst werden.

SnapRap als Material ist auch sehr leicht zu verarbeiten. Es lässt sich zum Beispiel sehr gut vernähen und ist dadurch ein beliebter Grundstoff für Taschen und andere Accessoires. 


Veganes Leder aus Weintrauben

Die Italiener lieben ihren Wein, und anscheinend auch die Abfallprodukte die bei seiner Produktion entstehen. Das italienische Unternehmen Vegea hat es sich zur Aufgabe gemacht den hohen Weinkonsum der Italiener für sich zu nutzen, und mit dem Abfallprodukten ihres Lieblingsgetränks tausenden Tieren das Leben zu retten. Vegea benutzt für die Herstellung seines Produktes alles was bei der Weinproduktion an Abfall anfällt, also Samen, Fruchtfleisch und Stängel.

Durch die Zugabe von etwas Öl, und einem bestimmten Verarbeitungsprozess entsteht aus den Abfällen ein lederartiges Material.  Vegea hatte bereits rechtliche Probleme, und darf deshalb sein Produkt nicht weiter als "Weinleder" bezeichnen.


Trama oder Muskin

Als Trama bezeichnet man ein spezielles Fruchtfleisch bei Pilzen. Wegen seiner fasrigen Struktur wird es auch oft als veganes Leder bezeichnet. Trama wird von Menschen schon seit Jahrtausenden gewonnen und verarbeitet. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Verarbeitung von Trama jedoch stark reduziert, da der Aufwand dafür doch recht groß und somit wenig lohnend ist.

In Gegenden von Transilvanien in Rumänien wird Muskin allerdings auch heute noch gewonnen und verarbeitet. 

Trama sieht Leder zwar sehr ähnlich, es besitzt allerdings nicht die gleichen Materialeigenschaften. Es ist weder wasserabweisend noch reisfest so wie echtes Leder. Wenn du mehr dazu erfahren willst, dann ist mein Artikel "Pilzleder" für dich interessant.


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